Plant ihr irgendwann einmal eine Reise nach Neuseeland? Ob als Familie, zu zweit oder solo: Hier kommt ein kleiner Guide in 20 Punkten, der euch hoffentlich hilft, im Land der Kiwis zu überleben. Keine Sorge: So schwierig ist das gar nicht! Und falls dieses leider so weit entfernte Land nicht auf eurer To-do-Liste steht, bekommt ihr hier trotzdem einen kleinen Eindruck davon, wie ein Urlaub in Neuseeland aussieht:
Mit Mückenschutz wirst du nicht sparen:
Ich beginne mit der echten Plage des Landes: den Sandflies! Sie sind wirklich furchtbar! Diese kleinen stechenden Fliegen sind überall, und danach juckt es schrecklich und lange. Natürlich ist das nichts Ernstes und nicht gefährlich für die Gesundheit, aber es kann einem manche Momente verderben, vor allem wenn ihr, so wie Titpuce und ich, besonders beliebte Ziele seid. Also: Sprüht euch jeden Tag mit Insektenschutz ein. Nehmt außerdem eine beruhigende Creme mit. Natürlich findet ihr vor Ort auch alles, was ihr braucht.
Links wirst du fahren:
Ehrlich gesagt ist es nicht besonders kompliziert (sagt mein Liebster, denn ich selbst bin nicht gefahren), aber man muss wachsam bleiben. Außerdem sind die Straßen manchmal eng, kurvig und nicht asphaltiert. Zu zweit ist es einfacher: Ich habe immer auf die Straße geschaut, und zweimal konnte ich „Papa Voyage“ warnen, weil er auf der falschen Spur war! Für mich ist es ziemlich einfach, mich nicht zu irren, weil ich fast nie fahre und deshalb kaum Automatismen habe ;-).

Deine Fleecejacke wirst du einpacken:
Ich weiß ja nicht, wie es euch ging, aber ich hatte nicht wirklich verstanden, dass Neuseeland vom Klima her eher an nordische Länder erinnert als ans Mittelmeer (ich übertreibe ein wenig, das gebe ich zu) … Am Ende hatten wir viel Sonne (25 sonnige Tage, 3 Regentage und 2 graue Tage), aber auf der Südinsel war uns manchmal etwas kalt, vor allem nachts. Das hängt natürlich von eurer Unterkunft ab. Wir waren im Campervan ohne Heizung unterwegs (es war trotzdem auszuhalten, sonst wären wir auf Campingplätze gefahren, um im Van eine kleine Heizung anzuschließen). Nehmt also Fleecejacken und Windjacken für die ganze Familie mit. Und wenn ihr einen Campervan mietet, prüft gut, ob der Vermieter nicht vergessen hat, euch die Bettdecken zu geben!
Wenn ich mit anderen Reisezielen vergleichen müsste, würde ich sagen: Auf der Südinsel hatte ich das Gefühl, einen Sommer in Norwegen zu verbringen. Im Norden war es angenehmer, dort konnten wir Shorts tragen. Zur Erinnerung: Wir waren dort im neuseeländischen Sommer, im Winter ist es also noch kälter.

In kaltem Wasser wirst du baden müssen:
Auch hier würde ich etwas relativieren. Auf der Nordinsel bin ich problemlos baden gegangen. Das Wasser hatte vielleicht 18 oder 19 Grad, und der Rest der Familie fand das schon zu kalt zum Schwimmen. Im Süden bin ich in Abel Tasman baden gegangen, aber weiter südlich war es unmöglich. Wir haben trotzdem ein paar Mutige gesehen, die in den Catlins (ganz im Süden) ins Wasser gingen, um mit Hector-Delfinen zu schwimmen. Und was die wunderschönen Seen betrifft: Das war für mich völlig undenkbar. Ich glaube, der Lake Wanaka hat etwa 10 Grad. Dabei ist das glasklare Wasser der Seen wirklich sehr verlockend!
Deine Klassiker wirst du auffrischen:
Damit meine ich vor allem Der Herr der Ringe und Der Hobbit, denn viele Szenen dieser Filme wurden in Neuseeland gedreht. Mir, die ich diese Klassiker nicht besonders gut kenne, kam kein Ort wirklich bekannt vor. Aber ehrlich gesagt sind die Orte einfach wunderschön. Punkt. Film hin oder her. Ich hatte nur das Gefühl, von Fans umgeben zu sein (mein Liebster gehört auch dazu) und nicht dieselben Referenzen zu teilen. Also gut: Zurück in Paris schaue ich mir die Filme noch einmal an.

Auf deinen Komfort wirst du verzichten (gilt für mutige Camper!):
Darüber könnte ich noch lange schreiben, und das werde ich demnächst auch tun. Denn wenn man einen Campervan mietet, muss einem klar sein, dass man „unter den Sternen“ schläft und nicht in einem 5-Sterne-Hotel ;-). Das hat Vorteile und Nachteile!
Den Benzinpreis wirst du beobachten:
Zunächst einmal wird Benzin immer teurer, je weiter man in den Süden fährt. Außerdem können die Preisunterschiede in ein und derselben Stadt enorm sein. Die Preise sind aber nicht groß ausgeschildert, deshalb muss man wirklich an jede Tankstelle heranfahren, um zu vergleichen. Denkt auch daran, eure Supermarkt-Kassenzettel aufzubewahren, denn oft gibt es damit Rabatte auf Benzin. Insgesamt sind wir etwas mehr als 4000 Kilometer gefahren, also achtet man durchaus auf den Spritpreis!
Internetzugänge wirst du wertschätzen:
Wir waren überrascht, dass das Land gar nicht so gut vernetzt war. Nach unserer sehr positiven Erfahrung in Australien hatten wir auf der Internetseite eine ähnliche Qualität erwartet. Am Ende ist WLAN im Vergleich zu vielen anderen Ländern eher selten und oft begrenzt (beim Datenvolumen oder bei der Zeit). Handytarife sind ziemlich teuer (ich habe nur einen Tarif mit 2 GB für 25 Dollar genommen). Das reichte, um schnell E-Mails zu prüfen und einen Monat lang in den sozialen Netzwerken zu posten. Aber um den Blog zu pflegen, Websites zu lesen, Flüge zu buchen oder per Skype zu kommunizieren, war es zu wenig. Also haben wir viel Zeit in den Bibliotheken des Landes verbracht, wo das WLAN fast immer kostenlos und unbegrenzt ist und es Steckdosen gibt, um den Computer aufzuladen. Es gibt auch Kabinen des Anbieters Spark, die Spark-Kunden WLAN anbieten, aber mir war der Tarif zu teuer. Und mit Kindern sind diese Kabinen nicht immer praktisch: Man muss sich organisieren und Stationen in der Nähe von Spielplätzen finden. Wir haben den Komfort der Bibliotheken bevorzugt. Da sie samstagnachmittags und sonntags geschlossen sind, war unser Plan B ein hübsches kleines Café mit kostenlosem WLAN.
Dein Englisch wirst du auffrischen (und den Humor dazu):
In Neuseeland bietet sich die Gelegenheit, Englisch zu üben. Wir haben keine Kiwis getroffen, die eine andere Sprache sprachen. Den Akzent fanden wir gut verständlich. Ticoeur und Titpuce haben auch Fortschritte gemacht, vor allem dank unserer Besuche in den Bibliotheken (sie haben dort an Vorlesestunden für Kinder teilgenommen).
Und beim Humor fanden wir, dass es den Kiwis nicht daran mangelt: ob in den Sicherheitsvideos im Flugzeug, auf ihren Plakaten mit „world-famous…in New-Zealand“ oder auf ein paar lustigen Schildern:

Kinderfreundliche Orte wirst du ausnutzen (Spezialtipp für Familien):
- Spielplätze: Es gibt sie überall. Die besten waren laut Ticoeur und Titpuce in Wanaka, Christchurch und Invercargill.
- Museen: Die Lieblingsmuseen der Kinder waren Te Papa in Wellington und Puzzling World in Wanaka. Außerdem mochten sie das Settlers Museum in Dunedin und das Canterbury Museum in Christchurch.
- Cafés: Wir haben hübsche Cafés mit Spielecken für Kinder gefunden.
- Bibliotheken: Es gibt immer eine Spielecke und Bücher, manchmal mit Tipis, Spielzeug und Kuscheltieren. Außerdem gibt es Vorlesestunden oder Bastelworkshops für Kinder.

Die Natur wirst du verehren:
Wenn ihr euch für Neuseeland entschieden habt, liebt ihr die Natur vermutlich ohnehin. Wir haben viele Touristen getroffen (es war Hochsaison), und ich fand, dass alle sehr respektvoll mit der Umwelt umgingen. Die Kiwis natürlich auch. Sie hüten ihr Land, und das ist sehr angenehm. Um diese Natur zu entdecken, haben die Neuseeländer die Orte wirklich gut erschlossen, vor allem für kleine „Walks“: Es gibt fast immer Holzwege, Aussichtsplattformen und Infotafeln. Man kann dort wirklich sicher spazieren gehen. Die „i-Sites“ sind voller nützlicher Informationen, Broschüren und Infomaterial.

Ein Lagerfeuer wirst du anzünden lernen:
Das richtet sich besonders an Camper. Es gibt wirklich Gelegenheiten, ein paar Lagerfeuer zu machen. Das ist schön mit Kindern und wärmt außerdem! Also übt vorher ein bisschen! Achtung: Natürlich solltet ihr ein Lagerfeuer nur dort machen, wo ihr klar erkennt, dass es erlaubt ist (in manchen DOC-Campingplätzen gibt es dafür vorgesehene Stellen). Fragt die Ranger, wenn ihr Zweifel habt!

Ehrlich wirst du sein:
Die Kiwis wirkten auf uns sehr ehrlich, und sie erwarten dasselbe von Touristen. Ich hatte den Eindruck, dass das auch gut funktioniert. Wenn man zum Beispiel auf einem Campingplatz ankommt, ist manchmal niemand da, aber es gibt eine Honesty Box zum Bezahlen. Genauso sieht man am Straßenrand oft kleine Stände mit Obst, Gemüse oder Eiern: Man nimmt sich einfach, was man möchte, und legt das Geld in eine Honesty Box. Wir mochten dieses Konzept sehr!
Lokale Biere wirst du probieren:
Wir waren beeindruckt von den guten lokal gebrauten Bieren. Außerdem ist es sehr nett, denn in allen Pubs kann man die Biere in kleinen Probiergläsern testen, um sich besser entscheiden zu können. Diese Adressen haben uns gefallen:
- Goldings Free Dive in Wellington (das originellste Bier, das ich probiert habe, tolle Atmosphäre und Deko).
- The Golden Bear Brewing Company in Mapua (wegen der sonnigen Terrasse).
- Point Café & Bar in Kaka Point (das günstigste Bier, das wir hatten, und eine sehr lokale Atmosphäre).
- Speight’s Ale House in Timaru (schönes Gebäude, sehr gute Stimmung).

Den Unterschied zwischen Pinguin und Penguin wirst du lernen:
Im Englischen heißt alles „penguin“, aber die niedlichen Tiere, denen ihr in Neuseeland begegnen könnt, sind aus französischer Sicht „manchots“: zum Beispiel der Gelbaugenpinguin (yellow eyed penguin) oder der Zwergpinguin (blue penguin). Ich überlasse euch das Nachlesen der Unterschiede in euren Büchern. Für uns war es eine Gelegenheit für eine kleine Naturkundestunde mit den Kindern.
Den guten Geschmack von Camembert wirst du vergessen:
Hier kommt die nörgelnde Französin in mir durch. Dabei gehöre ich nicht zu denen, die am anderen Ende der Welt unbedingt die guten Dinge von zu Hause wiederfinden wollen, und ich liebe es, lokale Spezialitäten zu entdecken. Aber in Neuseeland findet man im Supermarkt viel Camembert und Brie (in Australien übrigens auch), nur hat das überhaupt nichts mit Camembert oder Brie zu tun. Deshalb hat es mich ein bisschen geärgert, dass sie diesen Namen verwenden ;-). Insgesamt waren Supermarkteinkäufe im Land der Kiwis nicht gerade ein Fest, aber hier ist eine kleine Liste von Dingen, die wir dort trotzdem mochten:
- Müsli: Ich empfehle euch die Mischung „Cashew-Honig-Hafer“ der Marke Sanitarium.
- Große Auswahl an Trockenfrüchten zum Abwiegen.
- Fleisch (günstig und sehr zart), vor allem Lamm und Rind.
- Tomaten, grüne Bohnen und Brokkoli (Obst war dagegen eher fad und teuer, außer Äpfel).
- Chips „made in New Zealand“: Ich empfehle die mit Rosmarin der Marke „Proper“.
- Puh! Im Pastaregal gab es Barilla-Produkte 😉
- Hygieneprodukte (Shampoo, Sonnencreme usw.) sind deutlich günstiger als in Europa.
- Der Wein ist großartig! Wir haben einige lokale Weine getestet und schöne Überraschungen erlebt.
Meine Artikel wirst du lesen 😉
Hier findet ihr meinen Beitrag über unsere Route und unsere Highlights auf der Nordinsel sowie auf der Südinsel.
Dein Budget wirst du planen:
Man kann wirklich mehr oder weniger „roots“ reisen. Wir waren mit einem ganz einfachen Campervan unterwegs, haben selbst gekocht und sehr wenige kostenpflichtige Aktivitäten ausgewählt. Wir haben 140 € pro Tag für 4 Personen ausgegeben (Campervan: 70 € / Benzin: 20 € / Essen: 30 € / Aktivitäten: 5 € / Campingplätze: 15 €). Man kann weniger ausgeben, wenn man nur auf erlaubten kostenlosen Stellplätzen schläft oder einen noch kleineren Campervan mietet (was ich als Familie nicht empfehle). Man kann natürlich auch viel mehr ausgeben, mit einem sehr komfortablen Wohnmobil, Restaurantbesuchen und vielen verrückten Aktivitäten wie Helikopterflügen, Eco-Touren oder Abenteuer-Sportarten.
Dir Zeit wirst du nehmen:
Das ist vielleicht der schwierigste Punkt. In einem Monat mussten wir Entscheidungen treffen. Wir wären gern zwei Wochen länger geblieben: eine Woche, um den Norden der Nordinsel zu erkunden, und eine weitere, um die Küste oberhalb von Christchurch zu entdecken. Gleichzeitig haben wir viele Europäer getroffen, die nur für zwei Wochen kamen, denn nicht alle sind im Sabbatical ;-). Kurz gesagt: Man macht, was man kann. Aber man muss sich trotzdem bewusst machen, dass Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt, mit 12 Stunden Zeitverschiebung!

In dieses Land wirst du zurückkehren!
Für uns wird es eine kleine Woche im Mai sein, denn unser Flug nach Argentinien startet in Auckland!
Also? Wie gut wären eure Überlebenschancen im Land der Kiwis?
