Marrakesch ist eine faszinierende, völlig andere Welt, die ich inzwischen dreimal besucht habe. Ich konnte es kaum erwarten, sie dem Rest der Familie zu zeigen. Für unseren Aufenthalt Ende Oktober und Anfang November hatte ich deshalb ein kleines Programm zusammengestellt und mich gefragt: Welche Sehenswürdigkeiten lohnen sich, und welche kann man auslassen, wenn man nur 1 oder 2 Tage Zeit hat? Marrakesch hat sich seit meinem letzten Besuch stark verändert: Es gibt mehr Touristen und daher mehr überlaufene Orte, neue Attraktionen sind hinzugekommen, andere wegen Bauarbeiten ganz oder teilweise geschlossen und manche Besichtigungen teuer geworden. Ich möchte euch deshalb helfen, die richtige Wahl zu treffen und das Beste von Marrakesch zu sehen. Wenn ihr wie wir nur ein oder zwei Tage in Marrakesch verbringt, findet ihr hier meine Einschätzung, welche Sehenswürdigkeiten sich wirklich lohnen und welche für mich nicht unbedingt notwendig sind.
Marrakesch 2026: Diese Sehenswürdigkeiten lohnen sich wirklich
Die gesamte Medina von Marrakesch gehört wegen ihres historischen, kulturellen und architektonischen Reichtums zum UNESCO-Welterbe. Sie bietet faszinierende Kontraste: äußerst kunstvoll gestaltete Bauwerke neben schlichten Gassen, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. Diese Orte solltet ihr meiner persönlichen Meinung nach in der Altstadt von Marrakesch nicht verpassen:
Medersa Ben Youssef
Medersa Ben Youssef ist wegen ihrer herrlichen Architektur unbedingt sehenswert. Die ehemalige Koranschule wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Seit meinem letzten Besuch ist sie wunderschön restauriert worden. Wir bewunderten den hispano-maurischen Stil sowie die feinen Stuckarbeiten, das Zedernholz und die Zellige-Mosaike. Der große Innenhof ist der schönste Teil, aber auch die ringsum angeordneten Zimmer der Schüler sind interessant. Die Medersa liegt im Norden der Medina. Es waren viele Besucher da, trotzdem konnte man sich gut bewegen. Wir kamen gegen Ende des Tages kurz vor der Schließung und verbrachten 45 Minuten vor Ort.
Die Eintrittskarten kauften wir an der Kasse (50 DH für Erwachsene und 10 DH für Kinder unter 12 Jahren). Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Website der Medersa Ben Youssef.

Dar El Bacha, Museum der Konfluenz
Der Palast Dar El Bacha war eine wunderbare Entdeckung! Ich kannte ihn noch nicht, da er bei meinem letzten Aufenthalt in Marrakesch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. In diesem Palast aus dem 18. Jahrhundert lebte Thami El Glaoui, Pascha von Marrakesch. Heute beherbergt er das Museum der Konfluenz mit einer kleinen Sammlung dekorativer Kunst und Objekten aus aller Welt. Ich empfehle den Palast nicht wegen dieser überschaubaren Sammlung, sondern wegen seiner eleganten Architektur: Das Gebäude ist wunderschön, mit Mosaiken und Räumen, die sich zu einem begrünten, von Säulen umgebenen Innenhof öffnen.



Im Palast ist derzeit eine Ausstellung von Enki Bilal zu sehen, die am 15. Oktober 2026 eröffnet wurde. Sie ist klein, aber interessant. Mir gefallen Enki Bilals blaue, futuristische Zeichnungen: Sie bilden einen Kontrast zur traditionellen Architektur des Palasts, während sich die Farben zugleich wunderbar ergänzen.

Wir besuchten den Palast Dar El Bacha morgens fast direkt nach der Öffnung, und es war bereits sehr voll. Das Problem: Im Museum befindet sich auch das Bacha Coffee, wo offenbar jeder einen Kaffee trinken und ein Foto für Instagram aufnehmen möchte. Angesichts der Menschenmenge und der Wartezeit auf einen Tisch kann ich den Reiz überhaupt nicht nachvollziehen. Das beeinträchtigt den Besuch erheblich! Die Wartenden bleiben im Innenhof, und bei unserem Besuch betrug die Wartezeit drei Stunden, sodass der Palast völlig überfüllt wirkte. Cafébesucher sollten einen anderen Eingang als die Museumsgäste erhalten. Ich würde letztlich empfehlen, etwa eine Stunde vor Schließung des Palasts zu kommen, wenn vermutlich weniger Menschen auf einen Tisch warten.
Wir kauften unsere Eintrittskarten vor Ort an der Kasse (60 DH pro Person). Montags geschlossen.
Die Souks und Fondouks
Die Souks in der Medina von Marrakesch beeindrucken durch ihre Größe und ihr Labyrinth aus Gassen. Sie sind nach Gewerben gegliedert: Leder, Pantoffeln, Korbwaren, Färber und so weiter. Natürlich findet man zahlreiche Waren und Souvenirs für Touristen, trotzdem hat diese Abfolge kleiner Märkte und Gassen eine ganz besondere Atmosphäre. Einige Gassen sind von eleganten Holzdächern überspannt. Im Vergleich zu meinen ersten Besuchen in Marrakesch empfand ich die Händler als deutlich weniger aufdringlich. Sie bedrängten uns nicht und hielten Abstand. Vielleicht lag es daran, dass wir als Familie unterwegs waren, oder einfach an der inzwischen viel größeren Zahl von Touristen. Heute sprechen sie außerdem alle möglichen Sprachen, besonders Englisch, während wir früher stets auf Französisch angesprochen wurden. Wenn ihr wie ich keine Touristenmassen mögt, durchquert die Souks am besten früh am Morgen.






Manche Straßen gefallen mir besser als andere. Ich empfehle die Rue Mouassine mit ihren hübschen Geschäften. Versäumt außerdem nicht, die Fondouks zu betreten, zum Beispiel den Fondouk Essarsar 1. Diese ehemaligen Karawansereien bestehen aus einem großen Hof, in dem einst Waren gehandelt wurden, und einer oberen Etage, die als Herberge diente. Leider fahren motorisierte Zweiräder noch immer durch manche engen Gassen der Medina, angeblich soll dies jedoch bald verboten werden. Auch Esel begegnen einem – das ist wiederum ganz charmant!

Der Platz Jemaa el-Fna
Dieser riesige Platz ist das pulsierende Herz der Medina. Bei meinem ersten Besuch in Marrakesch beeindruckte er mich sehr: Sobald es dunkel wurde, strömten die Menschen herbei und der Rauch der ersten Grillstände erfüllte die Luft. Mir war es damals sogar zu voll, deshalb beobachtete ich das Treiben lieber von der Terrasse eines Cafés über dem Platz. Diesmal fand ich es weniger überlaufen. Selbst am Abend konnten wir uns problemlos bewegen und die Stände mit lokalen Speisen, Musikergruppen und Tänzer beobachten. Von den Schlangenbeschwörern und anderen Tieren hielt ich mich erneut so weit wie möglich fern.

An einem Ende des Platzes erhebt sich das elegante Minarett der Koutoubia, der berühmtesten Moschee von Marrakesch.

Nördlich der Medina
Nördlich der Souks, aber noch innerhalb der Medina, liegen Straßen mit einer stärker vom Alltag der Einheimischen geprägten Atmosphäre. In der Rue Bab Doukkala kaufen die Bewohner zum Beispiel Obst, Gemüse und Fleisch. Verlässt man die Medina durch das Tor Bab Doukkala und geht außerhalb der Stadtmauer in Richtung Neustadt, erreicht man eine letzte Sehenswürdigkeit, die trotz einiger Vorbehalte zu meinen Favoriten und Pflichtprogrammpunkten gehört: den Jardin Majorelle.
Jardin Majorelle: ja, aber …
Als ich den Jardin Majorelle vor etwa 20 Jahren besuchte, verliebte ich mich sofort in ihn. Der Garten wurde vom Maler Jacques Majorelle angelegt und später von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé erworben; zum Anwesen gehört die berühmte, intensiv blau gestrichene Villa Oasis. Das Innere der Villa ist nicht Teil des normalen Gartenbesuchs, doch man spaziert durch Grünanlagen, die von diesem kräftigen Majorelle-Blau umgeben sind. Ich wollte diesmal mit der ganzen Familie zurückkehren, obwohl der Besuch inzwischen teuer und oft sehr voll ist. Trotzdem stand der Garten auf unserem Programm, denn für mich gehört er weiterhin zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Marrakeschs. Aber wir konnten ihn nicht besuchen! Zu spät erfuhren wir, dass es inzwischen zur Begrenzung der Besucherzahl feste Zeitfenster gibt, die ausschließlich online über die offizielle Website des Jardin Majorelle gebucht werden. Vor Ort werden keine Tickets verkauft. Ende Oktober und Anfang November waren sämtliche Zeitfenster für die folgenden vier Tage ausgebucht. Plant euren Besuch also unbedingt rechtzeitig. Ich hoffe zumindest, dass die Kontingente für weniger Gedränge sorgen.


In einem Riad in Marrakesch übernachten: ein Erlebnis, das ihr nicht verpassen solltet
Für mich ist eine Übernachtung in einem Riad in der Medina von Marrakesch ein Erlebnis für sich: eine wunderbare Möglichkeit, in die lokale Kultur einzutauchen und beeindruckende Architektur zu genießen. Eine Nacht in einem Riad fühlt sich fast wie eine Nacht in einem lebendigen Museum an.
Wir verbrachten zwei Nächte in Marrakesch und probierten zwei verschiedene Riads aus, weil keines an beiden Terminen verfügbar war. Beide sind sehr gefragt. Auch hier solltet ihr also rechtzeitig planen, um ein Zimmer in einer der schönsten Unterkünfte der Medina zu bekommen.
Ich beginne mit unserem absoluten Favoriten: dem Ryad El Borj*, der besten Unterkunft unserer Marokkoreise und der beeindruckendsten Familiensuite, die wir je hatten. Hier stimmt einfach alles: ein authentisches Riad und ein herzlicher, begeisterter Gastgeber, der seine Liebe zu Marrakesch und seine Lieblingsadressen gern teilt. Die Familiensuite ist riesig – mit zwei Schlafzimmern, zwei Badezimmern, mehreren Sitzecken und einem eindrucksvollen zentralen Bereich. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet, und alles ist voller Charme und Geschichte. Im Innenhof wachsen vier Orangenbäume, die für Frische und Ruhe sorgen. Unser Gastgeber erklärte uns, dass ein traditionelles Riad stets vier Bäume besitzt und manche Eigentümer leider alle gefällt haben, um einen Pool anzulegen. Wir empfehlen diese Adresse von Herzen, besonders die spektakuläre Familiensuite. Von den beiden Unterkünften würden wir hierher zurückkehren!



Unsere zweite Unterkunft, das Riad Le Rihani*, war ebenfalls sehr schön und elegant. Es liegt im Herzen der Medina, nicht weit vom ersten Riad entfernt. Der Innenhof hat unglaublich viel Charme. Eine Palme und herabhängender Jasmin sorgen noch für Grün, doch offenbar blieben nicht alle ursprünglichen Bäume erhalten, vermutlich um Platz für den Pool zu schaffen. Das Abendessen dort war das beste Essen unserer gesamten Marokkoreise – und zwar mit Abstand: Die Tajine mit Huhn und Quitten war himmlisch. Die Familiensuite war sehr komfortabel, bestand jedoch aus zwei schmalen Schlafzimmern mit wunderschönen alten, bemalten Holzdecken. Im Vergleich zur anderen Adresse sind die Zimmer weniger geräumig und die Preise höher, dafür ist das Anwesen, besonders der Innenhof, sehr romantisch. Welche Unterkunft besser passt, hängt von eurem Geschmack und Budget ab.



Ihr könnt außerdem Riads besuchen, die auch Nicht-Hausgäste auf einen Drink oder zum Essen empfangen.
Marrakesch 2026: Schließungen und Bauarbeiten prüfen
Nach dem Erdbeben von 2023 waren mehrere Sehenswürdigkeiten in Marrakesch teilweise oder vollständig von Bauarbeiten betroffen, darunter zwei wichtige Orte: der Bahia-Palast und der El-Badi-Palast.
Der Bahia-Palast
Der Bahia-Palast war meine liebste Sehenswürdigkeit in Marrakesch, bevor ich den Palast Dar El Bacha entdeckte. Ich empfehle ihn weiterhin als schönes Beispiel maurischer Architektur des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil, darunter der Innenhof, bleibt zugänglich, in manchen Abschnitten stehen jedoch Baugerüste und es wird gearbeitet. Der Preis ist nicht reduziert (100 DH für Erwachsene und 50 DH für Kinder von 7 bis 13 Jahren). In der Hochsaison ist es sehr voll. Kommt möglichst zur Öffnung oder in der letzten Stunde vor der Schließung. Rechnet mit höchstens einer Stunde. In der Nähe des Bahia-Palasts solltet ihr über den großen Place des Ferblantiers im historischen jüdischen Viertel, dem Mellah, gehen.
Der El-Badi-Palast
Er ist weniger unverzichtbar als der Bahia-Palast, hat aber seinen eigenen Charme. Bei unserem Aufenthalt fanden umfangreiche Bauarbeiten statt, daher besuchten wir ihn diesmal nicht. Als ich ihn vor vielen Jahren sah, gefielen mir die Ruinen, in denen das Licht am späten Nachmittag besonders schön ist. Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb ich den Besuch nicht unbedingt empfehle: Wenn ihr wie wir auf der Straße der Kasbahs unterwegs seid, werdet ihr zahlreiche alte Stampflehmpaläste sehen. Dann bietet der El-Badi-Palast nicht unbedingt etwas grundlegend Neues. Bleibt ihr dagegen ausschließlich in Marrakesch, warum nicht?
Museum Dar Si Saïd
Das Nationale Museum für Webkunst und Teppiche ist seit dem Erdbeben von 2023 geschlossen (Quelle Google Maps). Es befindet sich in einem schönen arabo-andalusischen Palast aus dem 19. Jahrhundert mit Brunnen, Zellige-Mosaiken und hübschen Innenhöfen.
Marrakesch 2026: Diese Sehenswürdigkeiten sind für mich nicht unbedingt notwendig
Die Saadiergräber
Die Saadiergräber, eine königliche Nekropole aus dem 16. Jahrhundert, sind historisch sehr bedeutend. Mir gefiel jedoch nicht, dass man sich in einer Schlange durch enge Räume bewegt. An einem sehr ruhigen Tag und mit einem Guide ist der Besuch vielleicht interessanter, für das Gebotene bleibt er allerdings teuer.
Musée de la Parure
Dieses moderne Museum besitzt eine ansprechende Ausstellungsgestaltung. Es liegt unweit des El-Badi-Palasts und zeigt traditionelle Kleidung sowie Schmuck aus aller Welt, vor allem aus Afrika und Asien. Besonders gut gefiel uns der filigrane chinesische Schmuck mit Eisvogelfedern. Das Museum hat allerdings keinen besonderen Bezug zu Marokko. Wenn ihr euch für Schmuck und Verzierungen interessiert und genügend Zeit habt, kann sich ein Besuch lohnen. Der Eintritt kostet 100 DH für Erwachsene und 50 DH für 13- bis 25-Jährige.

Die Menara-Gärten
Sie liegen weit außerhalb des Zentrums und sind eigentlich weniger ein Garten als ein Ort für einen Abendspaziergang an einem großen Wasserbecken. Bei einem Aufenthalt von ein oder zwei Tagen halte ich sie nicht für unverzichtbar. Während meiner ersten, längeren Marrakeschreise genoss ich dort allerdings einen ruhigen Spaziergang bei Sonnenuntergang. Der Eintritt ist kostenlos.
Le Jardin Secret
Business is business! Dieser Ort ist für seine Größe ausgesprochen teuer und trotzdem sehr beliebt. Der restaurierte Garten gehörte einst zu einem Palast aus dem 16. Jahrhundert, der später verfiel. Er bietet eine Oase der Ruhe im Herzen der Medina, ist aber ein Opfer seines Erfolgs, weil er so instagramtauglich ist. Wäre der Eintritt günstiger und die Saison ruhiger, könnte es sich lohnen. Vielleicht besuche ich ihn ein anderes Mal. Doch für 30 Minuten in einem kleinen, vollen Garten ist der Preis für eine Familie wirklich hoch. Für den Aufstieg auf den Turm mit Blick über den Garten muss man außerdem extra zahlen. Dann kann man genauso gut die Ruhe im Innenhof eines Riads genießen.
Preise: 100 DH für Erwachsene, 80 DH für 12- bis 24-Jährige, zuzüglich 40 DH pro Person für den Turm.

Bacha Coffee
Ich habe es bereits erwähnt: Dieser Ort ist ein weiterer Instagram-Hit. Drei Stunden warten, um in einem überfüllten Café zu sitzen? Nein, danke! In Paris gibt es außerdem eine Filiale auf den Champs-Élysées, vermutlich mit kürzerer Wartezeit. Der Laden ist dagegen vom Museum Dar El Bacha aus ohne Anstehen zugänglich. Wenn ihr Fans des Kaffees oder des berühmten Mokkas seid, könnt ihr dort einkaufen. Vom Design her ist es ein wenig das Fortnum & Mason unter den Cafés, mit all den schönen Dosen aus aller Welt. Die Preise sind sehr hoch.

Musée Yves Saint Laurent Marrakech
Es handelt sich um ein kleines Museum neben dem Jardin Majorelle, das dem französischen Modedesigner gewidmet ist. Für beide Sehenswürdigkeiten ist ein Kombiticket erhältlich. Ich empfehle das Museum allerdings nicht besonders – für seine Größe ist es teuer –, es sei denn, ihr seid große Fans.
Das Gerberviertel
Dieser Ort erinnert mich an ein traumatisches Erlebnis auf meiner vorherigen Marrakeschreise. Ich war mit meiner besten Freundin unterwegs, und wir fühlten uns von falschen Guides, die uns die Gerbereien zeigen wollten, regelrecht bedrängt. Sie verlangen Geld, um Besucher auf die Dächer von Geschäften mit Blick auf die Gerbereien zu führen, werden aber sehr unangenehm, wenn man nichts kauft oder ihnen zu wenig gibt. Wir hatten außerdem Schwierigkeiten, den Rückweg zu finden, weil alle uns wieder zu den Läden führen wollten. Vielleicht läuft es nicht immer so ab, aber mit meiner Familie wollte ich dieses Gefühl auf keinen Fall erneut erleben. Wir bewahrten uns lieber unsere guten Erinnerungen an Marrakesch. Beachtet zudem, dass der Geruch von Häuten und Chemikalien sehr stark und unangenehm ist.
Marrakesch: unser Programm für 1 oder 2 Tage
Ein oder zwei Tage in Marrakesch sind natürlich ein Kurzbesuch. Das passt gut, wenn die Stadt wie bei uns nur eine Station auf einem Roadtrip durch Marokko ist.
Marrakesch an 1 Tag:
Bei 24 Stunden vor Ort empfehle ich:
- Durchquert die Souks der Medina früh am Morgen von Süden nach Norden, vom Platz Jemaa el-Fna bis zur Medersa Ben Youssef.
- Besichtigt die Medersa Ben Youssef und plant höchstens 1 Stunde ein.
- Verlasst die Medina in Richtung Jardin Majorelle, sofern ihr eure Eintrittskarten mehrere Tage zuvor reserviert habt.
- Geht auf einem anderen Weg durch die Souks zurück – es gibt unzählige Möglichkeiten.
- Macht eine Pause bei einem Fruchtsaft oder einem späten leichten Mittagessen auf der Dachterrasse eines Restaurants in der Medina.
- Geht wieder nach Norden zum Palast Dar El Bacha/Museum der Konfluenz und plant höchstens 1 Stunde ein.
- Esst im Riad oder in einem Restaurant der Medina zu Abend – unsere Empfehlungen findet ihr weiter unten.
- Unternehmt nach dem Essen einen Spaziergang über den Platz Jemaa el-Fna.
- Übernachtet in einem Riad.
Marrakesch an 2 Tagen:
Das ist mein Programmvorschlag für den zweiten Tag:
- Besichtigt den Bahia-Palast direkt zur Öffnung und plant höchstens 1 Stunde ein.
- Besucht eventuell das Musée de la Parure, das direkt daneben liegt.
- Esst auf einer Dachterrasse zu Mittag.
- Besucht den Jardin Majorelle oder den Palast Dar El Bacha, um Tag 1 etwas zu entzerren.
- Besichtigt den El-Badi-Palast zur goldenen Stunde, wenn ihr auf eurer Marokkoreise keine andere Gelegenheit habt, Stampflehmbauten zu sehen.
- Esst an den Ständen auf dem Platz Jemaa el-Fna zu Abend.
- Übernachtet in einem Riad.

Essen und Trinken in Marrakesch
Diese Adressen haben wir in der Medina ausprobiert – eine abwechslungsreiche Auswahl, mit der ihr die Stadt aus verschiedenen Perspektiven kennenlernt: ein traditionelles Restaurant, Dachterrassen, Streetfood und ein hübsches Riad.
- Restaurant Chez Brahim: Unser Gastgeber empfahl uns dieses Restaurant für einfache, authentische und preiswerte Küche. Der Eingang wirkt wenig vielversprechend. Wir aßen im obersten Stockwerk an den Fenstern, dem angenehmsten Bereich des Restaurants. Wir empfehlen Couscous mit Kefta und Gemüse. Auch die Tajine mit Huhn und eingelegter Zitrone sah gut aus. Die Portionen sind großzügig. Uns gefielen die Amazigh-Musiker, die unser Essen mit stimmungsvoller lokaler Musik begleiteten.

- L’Mida: Diese Dachterrasse ist sehr gefragt, weil sie ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als viele andere in der Medina bietet – manche verlangen Pariser oder sogar Londoner Preise. Für ein Abendessen müsst ihr mehrere Tage im Voraus reservieren. Möchtet ihr wie wir nur etwas trinken, reicht es, vor dem Abendservice zu kommen; wir waren um 18 Uhr dort. Vor der ersten Tischbelegung war es besonders angenehm und ruhig. Wir empfehlen die Limonade mit frischer Minze.

- Naranj: Dieses libanesische Restaurant serviert herrlich frische Gerichte. Nach einer Woche in Marokko hatte ich Lust auf mehr Grün, und es war genau richtig. Die Dachterrasse ist der angenehmste Bereich. Wir nahmen dort am späten Nachmittag eine leichte Mahlzeit ein, bevor wir zum Flughafen fuhren.

- Probiert das Streetfood in der Derb Dabachi. Unsere Teenager kauften dort ein kleines typisches Sandwich und empfehlen es. Auch der Platz Jemaa el-Fna bietet abends zahlreiche Streetfood-Optionen und ist eine gute Alternative zu Restaurants.


- Riad Dar Saad: Erstaunt über die Menschenmenge beim Bacha Coffee gingen wir nach dem Verlassen des Museums Dar El Bacha nur ein paar Schritte und stießen zufällig auf dieses hübsche Riad mit Bar und Restaurant. Im Obergeschoss tranken wir einen Orangensaft, bevor wir unseren langen Spaziergang durch die Souks fortsetzten. Denkt generell an Riads, wenn ihr in schöner marokkanischer Umgebung eine Pause einlegen möchtet.

- Gut zu wissen: Marokkanische Frühstücke sind sehr üppig, deshalb aßen wir nie zu Mittag. Stattdessen tankten wir bei einer Pause mit Tee oder Fruchtsaft neue Energie.
Praktische Tipps für einen Besuch in Marrakesch
Unterwegs in Marrakesch
Wir liefen sehr viel und fanden es großartig. Alle oben erwähnten Orte sind zu Fuß erreichbar. Zur Orientierung: Die gesamte Medina vom Bahia-Palast im Süden bis zur Medersa Ben Youssef im Norden zu durchqueren dauert etwa 45 Minuten. Vom Platz Jemaa el-Fna und seiner Umgebung benötigen die meisten Wege zu Fuß ungefähr 30 Minuten. An einem oder zwei Tagen kommt einiges zusammen, aber auf den zahlreichen Dachterrassen und in den Riads könnt ihr immer wieder pausieren. Ein Taxi vom Flughafen kostet ungefähr 20 €.
Parken in Marrakesch
In Marrakesch selbst braucht ihr kein Auto. Falls ihr aber wie wir einen Mietwagen am Flughafen Marrakesch* für einen Roadtrip durch Marokko abgeholt habt, könnt ihr ihn hier in der Stadt abstellen: Wir nutzten den Parkplatz an der Koutoubia, der sehr günstig liegt und erstaunlich preiswert ist. Er befindet sich außerhalb der Medina, nur fünf Minuten vom Platz Jemaa el-Fna entfernt.
Die beste Reisezeit für Marrakesch
Diesmal waren wir Ende Oktober und Anfang November während der französischen Herbstferien dort. Das Wetter war perfekt, wegen der Schulferien war allerdings recht viel los. Wir hatten 25 °C und wechselhaften Himmel. Ich habe Marrakesch außerdem im Januar und April besucht; auch das war jeweils sehr angenehm. Eigentlich sollte man nur den Sommer wegen der großen Hitze meiden. Wir trugen Jeans und T-Shirts und hatten für die kühleren Abende stets eine leichte Strickjacke dabei.
Besichtigungen reservieren
Nur einen Besuch müsst ihr mehrere Tage im Voraus planen: den Jardin Majorelle. Reserviert etwa eine Woche zuvor auf der offiziellen Website. Auch für ein Abendessen auf manchen Dachterrassen und für ein Zimmer in den schönsten Riads solltet ihr rechtzeitig buchen.
Über Marrakesch hinaus:
- Die Umgebung: Nach 1 oder 2 Tagen in Marrakesch könnt ihr Orte in der Umgebung entdecken, beispielsweise die Ouzoud-Wasserfälle, das Ourika-Tal oder die Agafay-Wüste. Beachtet, dass Agafay eine steinige Reg-Wüste und keine Erg-Sandwüste ist.
- Auf einer früheren Reise besuchte ich nach Marrakesch Essaouira, etwa 3 Autostunden entfernt.
- Diesmal waren wir eine Woche auf der Straße der Kasbahs bis zur Wüste von Merzouga unterwegs und kehrten durch das Draa-Tal zurück. Davon erzähle ich euch bald!
- Vorsicht bei organisierten Ausflügen, die in Marrakesch verkauft werden und unsere gesamte Route bis Merzouga in nur 3 Tagen versprechen. Wir halten das bei den enormen Fahrstrecken wirklich für viel zu kurz; so bleibt keine Zeit, die Orte unterwegs zu genießen.
Marrakesch mit Kindern
Unsere Tipps für einen Familienaufenthalt:
- Bleibt in der Medina dicht zusammen. Wir achteten außerdem darauf, dass unsere Kinder für den Fall einer Trennung den Namen unseres Riads kannten.
- Achtet auf die Zweiräder in der Medina. Sie fahren nicht schnell, trotzdem solltet ihr euch in manchen Gassen am Rand halten.
- Einen Kinderwagen durch die Souks zu schieben ist anstrengend, weil der Boden nicht immer eben oder in gutem Zustand ist. Wenn möglich, eignet sich eine Babytrage besser.
- Da ihr in Marrakesch viel zu Fuß unterwegs seid, solltet ihr Pausen für einen köstlichen Fruchtsaft einlegen.
Was unseren Kindern am besten gefiel:
- Titpuce, 13 Jahre alt, bevorzugte die Medersa Ben Youssef wegen ihrer Architektur und der kleinen Schülerzimmer. Kein Wunder, denn sie liebt kunstvoll gestaltete Orte.
- Ticoeur, 17 Jahre alt, mochte unsere Spaziergänge durch die Souks am liebsten, weil sie für ihn so anders und faszinierend waren.
- Beide Teenager mochten das Streetfood und die Fruchtsäfte, die wir in den Riads und auf den Dachterrassen genossen.

***
Zusammenfassend habe ich es bei meinem dritten Besuch in Marrakesch sehr genossen, diese faszinierende marokkanische Stadt mit der ganzen Familie zu teilen. Besonders begeistert hat mich der Palast Dar El Bacha, den ich noch nicht kannte. Ich freute mich außerdem, dass die Souks angenehmer wirkten als früher. Und schließlich liebten wir unsere wunderbaren Nächte in den Riads, in denen wir uns wie in einer Geschichte aus Tausendundeiner Nacht fühlten.
***
Und ihr? Hättet ihr Lust auf Marrakesch?
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